Hintergrundinformationen zu Gewalt in der Pflege

Erscheinungsformen von Gewalt

Gewalt hat viele Gesichter und kann in nahezu allen Bereichen des zwischenmenschlichen Miteinanders vorkommen.

 

Auch im Bereich der Pflege kann aggressives und gewalttätiges Verhalten in verschiedensten Erscheinungsformen auftreten – sowohl gegen Pflegebedürftige als auch gegen Pflegende. Wie relevant dieses Thema in der Pflege ist und von welchem Ausmaß man ausgeht, erfahren Sie hier.

 

Die wichtigste Voraussetzung

dafür, Gewalt zu verhindern,

ist diese als solche zu erkennen.

Eigene Gewalterfahrungen sind meist mit massiver Verzweiflung verbunden oder können sogar zu Traumatisierungen führen. Daher gilt es, Gewalt und Aggression zu verhindern. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist es, problematische und gewalttätige Situationen als solche zu erkennen. Allerdings ist dies in der Praxis aufgrund verschiedener Faktoren oftmals schwierig. Dies trifft vor allem dann zu, wenn über das Gewalterlebnis seitens desjenigen, dem es wiederfahren ist und desjenigen der die Gewalt ausgeübt hat, aus Scham, Angst oder auch fehlender Selbstreflexion geschwiegen wird. Zudem sind Anzeichen von Gewalt nicht immer eindeutig erkennbar: äußere Verletzungen können auch durch einen Sturz, blaue Flecken z. B. durch Medikamente verursacht worden sein. 

Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) stellen vor diesem Hintergrund einen besonderen Aspekt dar und werden daher an gesonderter Stelle ausführlich erläutert. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Die folgende Übersicht zeigt Beispiele für problematische Situationen mit erhöhtem Gewaltpotenzial sowie konkrete aggressive und gewalttätige Handlungen in der Pflege und Betreuung. Die Kurzübersicht steht Ihnen am Ende des Artikels zum Download zur Verfügung.

Illustration Festhalten

Unmittelbare körperliche Gewalt z. B. 

  • Schlagen, Schütteln, Kratzen...
  • Mechanische Fixierung, z. B. Einsatz von Gurten
  • Entzug von körperlichen Hilfsmitteln, z. B. Wegnahme des Rollators

 

 

Medikamentenmissbrauch z. B.

  • Nicht indizierte oder nicht ärztlich verordnete Medikamentengabe i.d.R. zur Ruhigstellung

 

Illustration Abduschen

 

Sexueller Missbrauch z. B. 

  • Missachtung der Intimsphäre
  • Nicht einverstandene Intimkontakte
  • Sexuelle Andeutungen

 

 

 

Illustration verbale Gewalt

Emotionale oder psychische Gewalt z. B. 

  • Verbale Aggression, Schreien, Schimpfen
  • Missachtung, Ignorieren
  • Soziale Isolation
  • Handeln gegen den Willen
  • Androhung von körperlicher Gewalt
  • Demütigungen und Beleidigungen
  • Manipulation
  • Missbrauch von Machtpositionen
  • Missachtung der Privatsphäre

 

Illustration Runterdrücken

 

Finanzielle/ andere Ausnutzung z. B.

  • Unbefugtes Verfügen über persönliches Vermögen
  • Überredung/ Nötigung zu Geldgeschenken
  • Entwenden von Geld/ Werten...

 

 

 

 

Illustraton Vernachlässigung

Vernachlässigung z. B.

  • Unterlassen von notwendigen Hilfen im Alltag
  • Unzureichende medizinische Versorgung (z. B. mangelhafte Wundversorgung)
  • Mangelhafte Pflege (z. B. schlechte Hygiene) 
  • Nahrungs- Flüssigkeitsentzug

 

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