Informationen für pflegende Angehörige

Ich beobachte Gewalt

Ich werde Zeuge von aggressivem oder gewalttätigem Handeln – was kann ich tun?

Wer schon einmal Zeuge einer aggressiven oder gewalttätigen Situation geworden ist, weiß, dass ein angemessener Umgang damit oftmals nicht einfach ist.

 

Ganz unterschiedliche und häufig auch gegensätzliche Gefühle können die Situation bestimmen: z. B. das impulsive Bedürfnis, sofort einzugreifen und das Opfer zu schützen, gleichzeitig aber auch der Drang, aus Angst und Selbstschutz einfach wegzulaufen. All das sind natürliche Reaktionsweisen, die es jedoch auch erschweren können, in akut angespannten Situationen bedacht und umsichtig zu handeln.

Die Einschätzung von Gewalt und

Aggression ist für Außenstehende

nicht immer einfach.

Erschwerend kommt hinzu, dass gewalttätiges und aggressives Verhalten in vielen Ausprägungen vorkommt und außerdem auch individuell unterschiedlich bewertet wird. Neben sehr eindeutigen Gewaltsituationen wie Schlagen oder Beißen existiert auch eine Vielzahl an Situationen, die oftmals auf den ersten Blick nicht wie Gewalt oder Aggression anmuten. Besonders die Einschätzung von außen, ob es sich um eine Grenzüberschreitung oder eine Beleidigung einer anderen Person handelt, kann erheblich von der Empfindung der unmittelbar betroffenen Person abweichen.

Vertrauen Sie auf Ihre

Intuition und reagieren

Sie sensibel!

Falls Zweifel bestehen, ob einer anderen Person Unrecht getan wurde oder wie Sie dies benennen können, können Ihnen Informationen darüber helfen, was im Allgemeinen unter Gewalt verstanden wird. Eine Übersicht mit problematischen und gewalttätigen Situationen und Handlungen finden Sie hier.

 

Wichtig ist es, die eigenen Beobachtungen und Gefühle zunächst möglichst sachlich zu bewerten, um dann umsichtig und hilfreich handeln zu können.

Nichtsdestotrotz: vertrauen Sie auch auf Ihre eigene Intuition und Ihr Gefühl. Nehmen Sie Ihre Wahrnehmungen ernst und reagieren Sie entsprechend darauf.

 

Nachfolgend einige allgemeine Tipps:

Was kann ich tun, wenn ich den Eindruck habe, dass eine pflegebedürftige Person durch einen Pflegedienst oder in einer Pflegeeinrichtung vernachlässigt oder problematisch behandelt wird?

  • Wenn Sie den Eindruck haben, dass eine pflegebedürftige Person in einer Pflegeeinrichtung oder durch einen Pflegedienst vernachlässigt oder problematisch behandelt wird – gleich, ob es sich um Ihren Angehörigen oder eine andere Person handelt – zögern Sie nicht, dem nachzugehen. 
  • Wenn möglich, sprechen Sie zunächst die pflegebedürftige Person selbst vorsichtig darauf an und versuchen Sie herauszufinden, wie der oder die Betreffende die Situation selbst wahrnimmt. 
  • In jedem Fall ist es ratsam, – zeitnah und die konkrete Situation betreffend – das Gespräch mit der Bezugspflegekraft, Schichtleitung oder ggf. Wohnbereichsleitung zu suchen. Falls eine spontane Klärung nicht möglich ist, können Sie einen Gesprächstermin vereinbaren oder Sprechzeiten nutzen.
  • Sollten sich dabei keine Lösungswege zeigen, nehmen Sie Kontakt zur Pflegedienst- oder Einrichtungsleitung auf. Zudem besteht die Möglichkeit, den Heim- oder Angehörigenbeirat zu informieren.  
  • Wenn ein ergebnisorientiertes Gespräch auf diesem Wege nicht möglich ist, können Sie sich mit Ihrer Beschwerde an die Geschäftsleitung der Einrichtung oder des Dienstes wenden. 
  • In schwerwiegenden sowie dringenden Fällen oder wenn über den beschriebenen Weg keine Abhilfe geschaffen werden konnte, informieren Sie den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung oder die Heimaufsichtsbehörde. In einigen Kommunen sind auch Ordnungsbehörden für die Kontrolle ambulanter Pflegeangebote zuständig. Hierzu erteilt das Rathaus oder Bürgeramt Auskunft. Rat und Hilfe finden Sie darüber hinaus auch bei den örtlichen Beschwerdestellen für Altenpflege.
  • Eine Übersicht zu konkreten Anlaufstellen für Rat und Hilfe finden Sie auch hier.
  • Ist das Vertrauen zu den Leistungen der Pflegeeinrichtung oder des Dienstes gebrochen, ist es ratsam, den Umzug in ein anderes Haus mit dem Einverständnis der pflegebedürftigen Person zu organisieren.

In welchen Fällen muss ich mich auf jeden Fall an die Polizei wenden?

In bestimmten Situationen kann es unumgänglich sein, den Vorfall der Polizei zu melden. Dies sollte geschehen,

  • wenn offensichtliche körperliche Verletzungen (z .B. Quetschungen, Biss-, Kratz- oder Schnittwunden) erkennbar sind, die nicht durch Selbstverschulden entstanden sind,
  • wenn körperliche oder psychische Schäden aufgrund massiver Vernachlässigung erkennbar sind, z. B. hygienische Verwahrlosung, Unterernährung oder seelische Verstörtheit,
  • wenn es Hinweise auf Erpressung der pflegebedürften Person gibt,
  • wenn es zu einer massiven Einschüchterung und Verängstigung der pflegebedürftigen Person kommt,
  • wenn bei wiederkehrend problematischem Verhalten in Pflegesituationen trotz professioneller Beratung durch den Pflegedienst und vorgeschlagener bzw. veranlasster Entlastungsangebote keine angemessene Verbesserung erreicht wurde,
  • wenn offensichtliche Hinweise auf Medikamentenmissbrauch vorliegen, die auch nach Rücksprache mit den Verantwortlichen nicht eingestellt werden. 

In bestimmten Situationen kann es wichtig sein, die Folgen einer Gewalttat gerichtsfest zu dokumentieren. Dies kann später entscheidend zur Aufklärung und Ahndung von Gewalthandlungen beitragen. Rechtsmedizinische Ambulanzen bieten hierzu Beratung und konkrete Unterstützung in unterschiedlichen Rahmengestaltungen an. Die Homepage der Fachgesellschaft bietet einen Überblich über die bundesweiten Rechtsmedizinischen Institute.

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