Informationen für pflegende Angehörige

Anspannung - Entspannung

Menschen, die ständig für Andere da sind und sich um Andere sorgen, vergessen oft ihre eigenen Bedürfnisse oder sehen keine Möglichkeiten, für sich selbst gut zu sorgen. Selbstfürsorge heißt im ersten Schritt, eigene Bedürfnisse und Grenzen der Belastbarkeit zu erkennen und zu akzeptieren. Im zweiten Schritt geht es darum, diese Erkenntnis auch in konkreten Maßnahmen umzusetzen. Nur wenn es Ihnen selbst gut geht, haben Sie auch die Kraft, für andere gut und verlässlich zu sorgen!

Nur wenn es Ihnen selbst gut geht,

haben Sie auch die Kraft,

für andere gut zu sorgen!

Grundvoraussetzung, um langfristig belastbar und leistungsfähig zu bleiben, ist der Wechsel von Phasen der Anspannung mit solchen der Entspannung. Dies umzusetzen erfordert jedoch das Wissen darum, welche Faktoren maßgeblich zu Anspannung führen und in welchen Situationen oder Tätigkeiten Sie Entspannung finden und Kraft sammeln.

Dies spontan für sich zu beantworten, fällt den meisten Menschen schwer!

 

Klar sehen, was helfen kann

Um über einen längeren Zeitraum herauszufinden, welche Situationen zu Anspannung oder Entspannung beitragen, kann es hilfreich sein, sich Notizen (z. B. in Form eines Tagebuchs) zu machen und diese in regelmäßigen Abständen (z. B. alle drei Monate) für sich selbst auszuwerten.

 

Notieren Sie sich ganz kurz:

Minus

  • Konkrete Situationen, die Sie in Anspannung gebracht haben, z. B. „Essen anreichen klappt nicht, Mutter schließt dauernd die Lippen“. 
  • Veränderungen beim Pflegeumfang, z. B. „Vater hält Urin nicht mehr.“
  • Veränderungen bei der Unterstützung der Pflege, z. B. „Frau Bauer fällt zur Betreuung von Mutter aus.“

Plus

  • Konkrete Situationen, in der Sie Entspannung gespürt haben, z. B. „Musik über Kopfhörer gehört“.
  • Konkrete Situation zur Unterstützung bei der Pflege, z. B. „Frau Bauer war drei Stunden bei Mutter, bin ins Kino gegangen.“ 
  • Ideen, die Ihnen zu Wünschen und Veränderungen durch den Kopf gehen, z. B. Dinge, die Sie gerne mal machen würden.
  • Unterstützungsangebote, die Sie in Anspruch genommen oder von denen Sie gehört haben.

Wenn Sie Ihre Notizen in bestimmten Zeitabständen auswerten, erkennen Sie wahrscheinlich noch klarer, worin konkret Ihre persönlichen Anspannungs- und Entlastungsmomente liegen.

 

Planen, wie es weitergeht

Nehmen Sie sich in regelmäßigen Abständen (z. B. alle drei Monate) vor, die Pflegesituation und insbesondere die Belastungen (zeitlich, finanziell, körperlich, geistig) zu reflektieren. Schreiben Sie auf, was sich in den letzten Monaten verändert hat, z. B. eine Verschlechterung des Gesundheitszustands Ihres Angehörigen oder Mehrbelastung im Beruf, familiäre Veränderungen.

 

Idealerweise ziehen Sie eine vertraute Person zu der Besprechung hinzu, die bestenfalls nicht in die Pflegesituation involviert ist und somit unbefangener in der Einschätzung Ihrer Situation ist.

 

Falls sich Ihre persönliche Belastung stark erhöht hat, denken Sie über mögliche Unterstützung nach. Informationen über Entlastungangebote zur Organisation der Pflege finden Sie hier.

Üben, zur Ruhe zu kommen

Bereits sehr einfache Übungen zur Entspannung können das Anspannungsniveau merklich mindern. Es ist ratsam, sich hierfür konsequent und regelmäßig ein paar Minuten Zeit zu nehmen.

 

Nachweislich entspannende Wirkung haben zum Beispiel folgende Maßnahmen:

  • Zügiges Gehen, vor allem im Grünen
  • Musikhören, vor allem über Kopfhörer
  • Schwimmen
  • Atemübungen, Wahrnehmungsübungen
  • Meditation und Autogenes Training
  • Fahrrad fahren
  • Muskelentspannungsübungen
  • Yoga

Beispiel: Fünf-Minuten-Auszeit

  • Setzen oder legen Sie sich bequem hin, schließen Sie die Augen, legen Sie Ihre linke Hand flach auf den Bauch und zählen Sie Ihre Atemzüge.
  • Folgen Sie Ihrem langsam fließenden Atem gedanklich bis in den Bauch.
  • Atmen Sie die Luft mit gespitzten Lippen langsam wieder aus.

Wenn Sie eine Übung oder Maßnahme gefunden haben, mit welcher Sie zur Ruhe kommen und Entspannung finden, dann versuchen Sie, diese regelmäßig in Ihren Alltag zu integrieren, um sich so kleine Auszeiten zu verschaffen. Auch wenn Ihre Zeit knapp ist – nehmen Sie sich wenigstens ein paar Minuten für sich selbst. Dies kann dazu beitragen, dass Sie sich weniger belastet fühlen und gegebenenfalls bestehende Aggressionspotenziale entschärft werden.

 

Weitere Anregungen und hilfreiche Ideen, wie Sie sich stärken und sich Gutes tun können, finden Sie auf den Seiten der Initiative „pflegen-und-leben.de“.

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