Informationen für pflegende Angehörige

Entlastung für pflegende Angehörige

Sie müssen den Pflegealltag nicht alleine bewältigen – es gibt eine Vielzahl an Angeboten der Entlastung, Aufklärung und Unterstützung für pflegende Angehörige. Denn nur wenn sich Phasen der Anspannung und Entspannung abwechseln, ist es möglich, die eigene Leistungsfähigkeit auch über einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Netzwerke können Sie stärken und bei Ihrer Arbeit unterstützen und entlasten. Neben Ihren persönlichen Netzwerken von Freunden und Familie, existieren auch eine Reihe professioneller oder ehrenamtlicher Angebote.

 

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl mit weiterführenden Hinweisen zu Entlastungs- und Beratungsmöglichkeiten (Stand Januar 2015):

Tagespflege und Nachtpflege: Die Tages- oder Nachtpflege ist eine teilstationäre Pflege, bei welcher der pflegebedürftige Mensch nur einen Teil der Zeit (während des Tages oder während der Nacht) stationär gepflegt wird, wohingegen er in der übrigen Zeit häusliche Pflege erhält. Die Pflegekasse übernimmt diese Kosten bis zu einer gewissen Höhe. Der Anspruch ist hierbei abhängig von der Pflegestufe: monatlich stehen in Stufe 0 231 Euro zur Verfügung, in Stufe I 468 Euro (bzw. 689 Euro mit Demenz), in Stufe II 1.144 Euro (bzw. 1.298 Euro mit Demenz) und in Stufe III 1.612 Euro (mit/ ohne Demenz) zur Verfügung. Ab dem 1. Januar 2015 kann die Tagespflege ohne Anrechnung auf die Sachleistung bzw. das Pflegegeld bezogen werden. Leider ist das Angebot an Nachtpflegeplätzen derzeit noch sehr begrenzt. Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier).

Kurzzeitpflege: Kurzzeitpflege bezeichnet die vorübergehende Pflege und Betreuung einer pflegebedürftigen Person in einer vollstationären Einrichtung für einen Zeitraum von bis zu vier Wochen und bis maximal 1.612 Euro je Kalenderjahr. Die Leistung ist hierbei unabhängig von der Pflegestufe. Ab dem 1. Januar 2015 kann der im Kalenderjahr bestehende, noch nicht verbrauchte Leistungsbetrag für Verhinderungspflege auch für Leistungen der Kurzzeitpflege eingesetzt werden kann. Dadurch kann der Betrag für die Kurzzeitpflege maximal verdoppelt werden, soweit Verhinderungspflege noch nicht in Anspruch genommen wurde. Auch die Dauer der Inanspruchnahme kann in diesem Fall von 4 auf bis zu 8 Wochen ausgeweitet werden. Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier).

Verhinderungspflege: Ist eine Pflegeperson wegen Erholungsurlaubs, Krankheit oder aus anderen Gründen an der Pflege gehindert, übernimmt die Pflegekasse die Kosten einer notwendigen Ersatzpflege für längstens sechs Wochen und bis maximal 1.612 Euro je Kalenderjahr. Diese Leistungen gelten seit Anfang 2013 auch für Menschen ohne Pflegestufe, die Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen haben (z. B. bei Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder demenzbedingten Fähigkeitsstörungen). Ab dem 1. Januar 2015 ist eine Ersatzpflege bis zu 6 Wochen pro Kalenderjahr möglich. Außerdem kann bis zu 50% des Leistungsbetrags für Kurzzeitpflege (das sind bis zu 806 Euro) künftig zusätzlich für Verhinderungspflege ausgegeben werden. Diese Möglichkeit besteht, soweit für diesen Betrag noch keine Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wurde. Verhinderungspflege kann dadurch auf max. 150% des bisherigen Betrages ausgeweitet werden. Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier).

Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen: Wenn ein Pflegebedürftiger oder jemand, der in seiner Alltagskompetenz dauerhaft erheblich eingeschränkt ist, zu Hause gepflegt und betreut wird, kann es hilfreich sein, das Wohnumfeld an die besonderen Belange des Pflege- oder Betreuungsbedürftigen individuell anzupassen. Ab dem 1. Januar 2015 können pro Maßnahme bis zu 4.000 Euro von der Pflegekasse anerkannt werden. Leben mehrere Pflegebedürftige gemeinsam in einer Wohnung, können sie bis zu 16.000 Euro pro Maßnahme erhalten.Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier).

Zusätzliche Betreuungsleistungen: Zusätzliche Betreuungsleistungen sind zweckgebundene Pflegesachleistungen für Pflegebedürftige in häuslicher Betreuung mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder demenzbedingten Fähigkeitsstörungen (siehe § 45a SGB XI). Zusätzliche Betreuungsleistungen müssen beantragt werden oder werden im Rahmen des MDK-Gutachtens zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit und Erteilung einer Pflegestufe gleich mit begutachtet. Diese Form der Pflegesachleistungen ist zweckgebunden; sie können für Leistungen der Tages-, Nacht- oder Kurzzeitpflege, der Betreuung durch zugelassene Pflegedienste oder besondere Beratungsangebote (zu erfragen bei der Pflegekasse) eingesetzt werden. Seit dem ersten Januar 2015 werden zusätzliche Betreuungsleistungen um niedrigschwellige Entlastungsangebote ergänzt (wie z.B. Alzheimergruppen). Wer seinen Anspruch auf ambulante Pflegesachleistungen nicht ausschöpft, kann außerdem bis zu 40 Prozent davon für solche niedrigschwelligen Angebote verwenden. Neu ist darüber hinaus, dass Pflegebedürftige, die nicht die Voraussetzungen des § 45a erfüllen (also keine Einschränkung in der Alltagskompetenz haben), ebenfalls zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen in Anspruch nehmen können. Die Kosten hierfür werden bis zu einem Betrag in Höhe von 104 EUR monatlich ersetzt.Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier).

Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen: Diese Schulungen für pflegende Angehörige vermitteln pflegerisches Wissen, wertvolle Tipps rund um den Pflegealltag und stellen Pflegehilfsmittel vor. Für Angehörige von Pflegebedürftigen, die Leistungen der Pflegeversicherung erhalten, sind diese Schulungen kostenfrei. Die Kurse werden meist von Pflegefachkräften ansässiger Pflegedienste oder Sozialstationen durchgeführt. Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier). 

Pflegeberatung: Die Organisation einer Pflegesituation, beginnend mit der Beantragung einer Pflegestufe bis hin zur Erstellung eines umfassenden Hilfeplans ist oftmals ein komplexes Unterfangen. Eine individuelle Aufklärung über Leistungen und Angebote sowie die Unterstützung bei der Umsetzung sind daher viel wert. Seit dem 1. Januar 2009 haben alle Menschen, die Leistungen der Pflegekasse in Anspruch nehmen oder beantragt haben, einen Rechtsanspruch auf Hilfe und Unterstützung durch eine Pflegeberaterin oder einen Pflegeberater. Kontaktinformationen zu wohnortnahen Beratungsstellen finden Sie in der ZQP-Datenbank zur Pflegeberatung in Deutschland oder direkt über Ihre Pflegekasse.Privatversicherte Personen werden von der COMPASS Private Pflegeberatung beraten.

Unterstützung durch ambulante Pflegedienste: Die sozial- und gesundheitspflegerischen Dienste der ambulanten Pflegestationen können im häuslichen Pflegearrangement einen wichtigen Beitrag leisten. Hierzu gehört die sogenannte Hauspflege, die Hilfen im Haushalt sowie die Grundpflege (Körperpflege, Hilfe beim Essen) umfasst. Daneben wird von ausgebildeten Fachkräften häusliche Krankenpflege angeboten. Diese umfasst die medizinisch-pflegerischen Versorgungsleistungen wie etwa die Wundversorgung. Die Kosten für diese Leistungen übernehmen in der Regel die Pflegekassen, je nach Pflegebedarf und Umfang der Leistungen können jedoch Zuzahlungen notwendig sein. Weitere Informationen erhalten Sie in Ihrem wohnortnahen Pflegestützpunkt. (Die Kontaktdaten der bundesweiten Pflegestützpunkte finden Sie hier).

Kuren für pflegende Angehörige: Neben den körperlichen Belastungen gelten auch seelische Belastungen als erhebliches Gesundheitsrisiko. Wenn Sie sich überlastet und ausgebrannt fühlen, dann sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber. Sie oder er kann Sie auch zu der Möglichkeit der Beantragung einer Kur beraten. Schildern Sie Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt nicht nur ihre körperlichen Beschwerden, sondern auch Ihre aktuelle Lebenssituation. Kurempfehlungen können auch präventiv verordnet werden. Zusammen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt wird das Antragsformular bei gegebenen Umständen ausgefüllt und der Kasse vorgelegt. Es gibt verschiedene Formen der Kur, zum Beispiel die klassische stationäre Vorsorge und Rehabilitation (Aufenthalt und Behandlung in einer Kurklinik) oder die ambulante Vorsorge- oder Rehabilitationskur, die jedoch nur in anerkannten Kurorten angeboten wird.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer: Das Angebot des freiwilligen Engagements im Bereich der Pflege wurde in den letzten Jahren breit ausgebaut. Neben traditionellen Besuchs- und Begleitdiensten existieren zum Beispiel auch Angebote der psychosozialen Begleitung pflegender Angehöriger und weitere Modelle der Unterstützung durch freiwilliges Engagement. Eine Übersicht zur ehrenamtlichen Pflegebegleitung finden Sie hier. Das Netzwerk „Pflegebegleitung“ bietet ebenfalls Unterstützung durch das Engagement Freiwilliger. Mehr dazu finden Sie hier.

Selbsthilfe- und Angehörigengruppen: Der Austausch mit anderen Menschen, die sich in der gleichen Situation wie man selbst befinden, kann sehr wertvoll sein. Neben dem emotionalen Rückhalt Gleichbetroffener bergen vor allem der Erfahrungsschatz und die individuellen Lösungsideen anderer Menschen ein nicht zu unterschätzendes Potential an Hilfe und Unterstützung. Angehörigengruppen werden von verschiedenen Trägern und meist regional organisiert. Viele Angebote finden sich in der Datenbank der „NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen“ oder der regionalen „Kontakt- und Informationsstellen für Selbsthilfegruppen (KISS).“ Speziell für die Pflege von demenziell Erkrankten bietet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. verschiedene regionale Angebote der Selbsthilfe und Beratung.

Anonyme Notfalltelefone: Meist fällt es Betroffenen sehr schwer, über Ihre eigene Überforderung oder gar Gewalterfahrungen zu sprechen und sich jemandem anzuvertrauen. Anonyme Hilfetelefone bieten in akuten Situationen schnellen und fundierten Rat. Eine Übersicht zu spezialisierten Hilfs- und Unterstützungsangeboten zum Thema Aggressionen und Gewalt in der Pflege finden Sie hier oder bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Krisentelefone.

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