Informationen für pflegende Angehörige

Gewalt gegen mich

Ich gebe mein Bestes und die pflegebedürftige Person wird mir gegenüber gewalttätig – wie gehe ich mit der Situation um?

In Pflegesituationen kann es auch zu aggressivem oder gewalttätigem Verhalten von Pflegebedürftigen gegen Pflegende kommen, zum Beispiel in Form von Beleidigungen, Drohungen aber auch Übergriffen wie Schlägen, Bissen, Tritten oder an den Haaren ziehen. Die Gründe hierfür sind so individuell wie die an der Situation beteiligten Menschen. So kann es bei älteren pflegebedürftigen Menschen einerseits krankheitsbedingt zu problematischem oder aggressivem Verhalten kommen, aber auch die Nebenwirkungen bestimmter Medikamente können ursächlich sein. Besonders im familialen Umfeld bergen aber auch die besonderen zwischen­menschlichen Beziehungen mit den dazugehörigen Gefühlen und gemeinsamen Erfahrungen Potenzial für Konflikte und Aggressionen.

Versuchen Sie,

Übergriffe nicht

persönlich zu nehmen!

Auch das Gefühl, zunehmend abhängig von der Hilfe und Unterstützung anderer Menschen zu sein, kann bei hilfebedürftigen Menschen zu Frustration und Ablehnung führen. Daher passiert es nicht selten, dass es innerhalb langjähriger Pflegebeziehungen zu problematischen und mitunter auch aggressiven Situationen kommt. Solche Vorfälle sind für Pflegende vor dem Hintergrund ihres hohen Einsatzes für die pflegebedürftige Person oft äußerst verletzend.

 

Nachfolgend finden Sie einige Anregungen, die den Umgang mit solchen Situationen erleichtern können:

  • Ganz wichtig ist es, den Übergriff nicht persönlich zu nehmen. In den wenigsten Fällen sind Sie selbst die Ursache für Aggression und Wut, sondern Aspekte der Krankheit und der damit verbundenen Situation (z. B. hohe Abhängigkeit, eingeschränkte Selbstbestimmung, Schmerzen).
  • Wenn Sie merken, dass ein verbaler oder körperlicher Angriff unmittelbar bevorsteht, verlassen Sie nach Möglichkeit sofort – wenn auch nur kurz – die Situation. 
  • Sorgen Sie sofort dafür, dass Sie kurzfristige konkrete Entlastung und bestenfalls auch psychische Unterstützung bekommen, z. B. von einem Familienmitglied, Nachbarn, Kollegen.
  • Vermeiden Sie in jedem Fall körperliche oder verbale Gegenangriffe – aber schützen Sie sich selbst auch vor Verletzungen, indem Sie in ruhigen Bewegungen möglichst alles, was zum Schlagen oder Werfen eingesetzt werden könnte, außerhalb der Reichweite bringen. 
  • Versuchen Sie, die aggressive Person von der Situation abzulenken: Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf ein anderes Geschehen oder auf andere Sinne, z. B. durch sanfte Musik, einen Vogel am Fenster, etwas zu essen.
  • Gehen Sie den Ursachen nach: Lassen Sie sich von dem behandelnden Arzt oder der Ärztin beraten, ob es sich bei dem aggressiven Verhalten z. B. um eine Medikamentennebenwirkung oder eine neurologische oder psychiatrische Erkrankung handelt. Vielleicht ist es auch die psychische Anspannung, Verzweiflung oder ständige Schmerzen, die zu aggressiven Ausbrüchen der pflegbedürftigen Person führen. Der Arzt bzw. die Ärztin kann in der Regel die Symptome lindern und nötigenfalls weitere Therapeuten mit einbeziehen.
  • Suchen Sie aktiv den Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen oder Ihren Kolleginnen und Kollegen. (Weitere Informationen zu Entlastungsmöglichkeiten finden Sie hier.)
  • Falls noch nicht geschehen, nehmen Sie den Vorfall zum Anlass, eine Pflegeberatung in Anspruch zu nehmen oder eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige zu kontaktieren. (Weitere Informationen zu Entlastungsmöglichkeiten finden Sie hier.)
  • Wenn Sie die Situation als außerordentlich stark belastend oder gar ausweglos empfinden, ist es ratsam, psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen. (Weitere Informationen zu Entlastungsmöglichkeiten finden Sie hier.)
  • Auch wenn Sie den Eindruck haben, dass Sie selbst keinerlei Anlass für den verbalen oder körperlichen Angriff der pflegebedürftigen Person geboten haben, ist es immer ratsam, das eigene Verhalten noch einmal kritisch auf mögliche Auslöser hin zu überprüfen. 
  • Ist die Pflegesituation zu angespannt und belastend, überlegen Sie – nach Möglichkeit mit der pflegebedürftigen Person gemeinsam –  welche weiteren Pflegekonstellationen denkbar sind: z. B. ob eine andere Person Pflegeaufgaben oder sogar die Hauptpflege übernehmen könnte oder auch professionelle Pflegeangebote in Anspruch genommen oder ausgeweitet werden sollten. (Weitere Informationen zu Entlastungsmöglichkeiten finden Sie hier.)

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