Informationen für professionell Pflegende

Fehlern einen Sinn geben

Wie in allen Bereichen, kommt es auch in der professionellen Pflege zu Fehlern. Die Bandbreite reicht von Missgeschicken bis hin zu gravierenden Mängeln und Fehlverhalten.

Fehler haben nur den einen Sinn:

es nächstes Mal besser zu machen.

Fehler gelten allgemein als unerwünscht und auszuräumen. Dies verführt dazu, sie vertuschen zu wollen. Allerdings kann aus Fehlern nur dann gelernt werden, wenn sie offen gelegt und ihren Ursachen nachgegangen werden kann. Eine offene Fehlerkultur und ein systematisches Fehlermanagement tragen dazu bei, Mängel, Fehlverhalten und Fehlerketten zu minimieren.

 

Zu den Fehlern, die in der Pflege vorkommen können, zählt auch das aggressive oder gewalttätige Verhalten von professionell Pflegenden.

 

Nicht selten sind Pflegekräfte, die entsprechende Vorkommisse bei Kolleginnen und Kollegen beobachten, mit der Situation und der Verantwortung überfordert. Dies kann dazu führen, dass die Konfrontation gemieden und über den Vorfall geschwiegen wird. Die physischen und psychischen Folgen für alle Beteiligten können gravierend sein. Zudem wird auch der Gewalt nicht begegnet und diese kann sich fortsetzen.

 

Pflegebedürftige Menschen haben das Recht, vor Schäden geschützt zu werden. Professionelle Pflegekräfte hingegen haben die Pflicht, Gefahren nach ihren Möglichkeiten abzuwenden. Lesen Sie mehr zu Aufgaben und Verantwortung professioneller Pflegekräfte.

 

Aggressives und gewalttätiges Verhalten von professionellen Pflegekräften ist – ebenso wie das Verschweigen solcher Vorkommnisse – in der Regel auf verschiedene persönliche und umgebungsbedingte Faktoren zurückzuführen.

 

Führungskräfte in der Pflege sind daher besonders gefordert, ein unterstützendes und lösungsorientiertes Vorgehen zum Umgang und zur Vermeidung kritischer Pflegesituationen in der Einrichtung zu etablieren. Ein lösungsorientierter Umgang mit dem Thema Gewalt in der Pflege erfordert ein hohes Maß an Fingerspitzengefühl sowie Kenntnisse über Erscheinungsformen, Ursachen und Handlungsmöglichkeiten. Schulungs- und Fortbildungsangeboten kommen daher eine zentrale Rolle im angemessenen Umgang und zur Vermeidung von Gewalt in der Pflege zu.

Hinweise für professionelle Pflegekräfte

  • Nehmen Sie Aggression und Gewalt gegen pflegebedürftige Menschen niemals hin.
  • Sprechen Sie Kolleginnen oder Kollegen auf ihr problematisches Verhalten an.
  • Schämen Sie sich nicht, auch die Grenzen der eigenen Belastbarkeit aufzuzeigen.
  • Informieren Sie Leitungspersonen über die Vorkommnisse und fordern Sie konkrete Maßnahmen ein.
  • Dokumentieren Sie den Vorfall so sachlich und für Außenstehende nachvollziehbar wie möglich.
  • Zögern Sie nicht, die Polizei einzuschalten, falls die Vorkommnisse schwerwiegend sind oder nicht abreißen.
  • Achten Sie darauf, nicht selbst in eine sogenannte „Verharmlosungsfalle“ („so schlimm ist es nicht“) oder „Rechtfertigungsfalle“ („die Umstände waren schuld“) zu geraten – wechseln Sie gegebenenfalls den Arbeitsplatz.

Hinweise für Führungskräfte

Illustration Teamarbeit
  • Sorgen Sie für regelmäßige und qualifizierte Fortbildung und Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Umgang mit problematischen und gewalttätigen Situationen (z. B. Deeskalationstraining, Kommunikationstraining, Umgang mit belastenden Situationen).
  • Bereiten Sie die Basis für eine offene und unterstützende Fehlerkultur.
  • Richten Sie ein Fehlermanagementsystem ein.
  • Nehmen Sie jegliche Hinweise zu problematischen Vorkommnissen sehr ernst und gehen diesen unverzüglich nach. Sprechen Sie in Ruhe mit der Pflegekraft und gegebenfalls dem Pflegebedürftigen.
  • In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, die betroffene pflegebedürftige Person vorübergehend andernorts unterzubringen. Dies setzt natürlich deren Einverständnis voraus.
  • Besprechen Sie kritische Vorfälle mit dem Team und den Angehörigen. 
  • Ziehen Sie in unklaren Fällen eine externe Beratung in Erwägung (z. B. rechtsmedizinische Institutionen).
  • Bestehen Hinweise auf Gewaltanwendungen, schalten Sie die Polizei ein.
  • Informieren Sie den Träger der Einrichtung.
  • Bieten Sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach belastenden Ereignissen Hilfe an, z. B. die Möglichkeit eines Gesprächs, gegebenenfalls auch eine psychosoziale Beratung.
  • Erarbeiten Sie einen Leitfaden für den Umgang mit belastenden und problematischen Situationen für Ihre Einrichtung (u. a. interne Notrufnummer, Ansprechpartner für psychosoziale Betreuung, Kontakt zu Notfallpsychologen, zentrale Dokumentation problematischer Situationen).

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