Veranstaltung

Pflege ohne Zwang bei Menschen mit Demenz

Gemeinsame Veranstaltung vom BMFSFJ und ZQP am 7. November 2013

 

Freiheitsentziehende Maßnahmen (FEM) sind ein bedeutsames Problem bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen, denn sie gehören zu den schwersten Eingriffen in die Menschenrechte. Trotzdem wurden bundesweit allein 2012 über 85.000 freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege richterlich genehmigt. Unter die 85.000 genehmigten FEM fallen vorwiegend mechanische Zwangsanwendungen wie Bettgitter oder Gurte. Zusätzlich kommen oftmals auch Medikamente zum Einsatz, um Pflegebedürftige ruhig zu stellen. Die Dunkelziffer, so sind sich Wissenschaftler und Praktiker einig, ist sogar noch weitaus höher. Besonders Menschen mit demenziellen Erkrankungen sind aufgrund ihres oftmals ausgeprägten Bewegungsdrangs stark gefährdet, in ihren grundlegenden Rechten, ihrer körperlichen Unversehrtheit und Selbstbestimmung verletzt zu werden.

Vor diesem Hintergrund hatten das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) und das ZQP am 7. November 2013 zu einer Fachkonferenz eingeladen. In einem fachübergreifenden Dialog diskutierten Experten ethische, menschenrechtliche und pflegewissenschaftliche Aspekte von freiheitsentziehenden Maßnahmen. Einig waren sich die versammelten Wissenschaftler vor allem in einem Punkt: Solche Maßnahmen sind in der Regel kein brauchbares Instrument, um die körperliche Unversehrtheit von Menschen zu gewährleisten. Im Gegenteil: FEM sind für pflegebedürftige Menschen sogar eher schädlich.

 

 
„Ziel muss es sein, freiheitsentziehende Maßnahmen als übliche Pflegepraxis abzuschaffen“, erklärte Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP. Gleichzeitig warnt Suhr aber vor einer zu starken Skandalisierung des Themas: „Es darf nicht darum gehen, pflegende Angehörige oder professionelle Kräfte an den Pranger zu stellen oder gar zu kriminalisieren. Wir müssen vielmehr einen Austausch über unangemessene Maßnahmen ermöglichen und Konzepte zur Vermeidung fördern.“ Tatsächlich gäbe es bereits wegweisende Ansätze und Konzepte sowie vorbildhafte Einrichtungen und Dienste, die konsequent FEM in ihrem Pflegealltag umgehen, so Suhr.

 

Programm

 

Begrüßung

 

MinDir Dieter Hackler (Abteilungsleiter im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Dr. Ralf Suhr (Vorstandsvorsitzender des ZQP)

 

Vorträge

 

"Aggressionen in der Pflege: Überlegungen zu einem Pflegeimperativ"

Dr. Michael Wunder (Mitglied Deutscher Ethikrat und Leiter des Beratungszentrums Alsterdorf/Hamburg)


"Pflege: Ein Thema für den Menschenrechtsdiskurs?!"

Dr. Claudia Mahler (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Menschenrechte)


"Gewaltprävention in der Pflege – eine empirische Bestandsaufnahme"

Prof. Dr. Gabriele Meyer (Institutsdirektorin Medizinische Fakultät Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft Universität Halle)


"Nicht anschnallen, bitte – sicher ohne FEM"

Uwe Brucker (Fachgebietsleiter Pflegerische Versorgung beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen e.V.)

 

Podiumsdiskussion

 

Patricia Drube (Referentin beim Deutschen Bundesverband für Pflegeberufe)

Gerda Graf (Geschäftsführerin der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier)

Karola Miowsky (Pflegestation Meyer und Kratzsch GmbH & Co Berlin)

Annette Loer (Richterin am Amtsgericht Hannover)

Gabriele Tammen-Parr (Pflege in Not)

 

Moderatorin: Daniela Wiesler-Schnalke (Deutsche Welle)

 

Schlußwort

 

MinR’in Petra Weritz-Hanf (Referatsleiterin im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

 

Redebeiträge und Vorträge als PDF zum Download

 

 

Vortrag Brucker

Vortrag Brucker (1,3 MiB)

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